Beifuß – Artemisia annua

Einjähriger Beifuß  – viel mehr als nur ein Malariamittel

Beifuss (Artemisia annua )

Einjähriger Beifuß – viel mehr als nur ein Malariamittel

Es gibt über 300 Beifußarten. Artemisia annua ist eine spezielle, einjährige Sorte. Sie wird zwischen 50-150 Zentimeter hoch und besitzt einen auffälligen, sehr angenehmen Duft.

Während die Stängel kahl sind, haben die Blätter eine zwei- bis dreifache Fiederung. Die Blütenstände wachsen rispenartig.

Artemisia annua ist ein Verwandter unseres gewöhnlichen Beifußgewächses Artemisia vulgaris.

Der einjährige Beifuß bevorzugt sommerwarme Regengebiete in China, Nord-Indien, dem Irak, Rumänien, Bulgarien und Albanien. In bestimmten Teilen Österreichs, Südtirols und in den Elbauen Deutschlands ist er auch zu Hause.

Artemisia annua und der Nobelpreis der Medizin

Die chinesische Volksmedizin kennt diese Pflanze schon seit dem 3. Jahrhundert. In alten Schriften fand die chinesische Professorin Youyou Tu einen Hinweis auf Artemisia annua und seine Wirkung auf Malaria. Sie stellte 1969 fest, dass der Extrakt des Krautes die Malaria Erreger in Tierversuchen zu 100 % abtötete.

Es gelang in ihren Forschungen das Artemisinin zu isolieren, dem gegenwärtig wichtigsten Wirkstoff gegen Malaria. Diese Krankheit ist eine der drei schlimmsten in den sogenannten Entwicklungsländern. Jährlich erkranken daran 250 Millionen Menschen, 90 Prozent davon in Afrika. Im Jahr 2008 starben insgesamt 863.000 infizierte Menschen an den von Mücken übertragenen Erregern.

Frau Tu erhielt 2015 den Medizin Nobelpreis für ihre Entdeckung des medizinisch wirksamen Stoffes der Heilpflanze.  Der isolierte Wirkstoff Artemisinin wirkt gegen Plasmodien. Das sind einzellige Erreger von Malaria. Diese Erreger binden in hoher Konzentration Eisen an sich. Der Wirkstoff Artemisinin geht mit dem Eisen eine chemische Verbindung ein.

Dieser Vorgang setzt freie Radikale in Gang. Sie greifen den Zellkern der Erreger an und zerstören ihn komplett. Der wunderbare Wirkstoff ist in Blättern und Blüten des einjährigen Beifußes bis zu 1,4 Prozent enthalten. Natürlich ist noch eine Fülle anderer Wirkstoffe vorhanden, die zu synergetischen Effekten führen und auch gegen andere Erkrankungen eine Rolle spielen können.

Da es bei der Arbeit mit der Monosubstanz zu Resistenzen gegen den Wirkstoff kommen kann, ist es sinnvoller komplexer aufgebaute Extrakte aus der Pflanze zu nutzen.

Der Beifuß als Heilpflanze und Hoffnung in der Krebstherapie

In den alten chinesischen Dokumentationen wurden weitere Hinweise auf seine Heilkraft entdeckt. Inzwischen ist die Heilpflanze als solche gut erforscht. Über 240 Substanzen konnten schon erkannt werden. In der TCM wird Artemisia annua erfolgreich gegen Verdauungsbeschwerden, Infektionen und Entzündungen, Hautprobleme, Probleme mit den Gelenken und zur Stärkung des Immunsystems eingesetzt.

Die Pflanze verfügt über entzündungshemmende Polyphenole und Antioxidantien. Dieses Potential unterbindet die Oxidation in den Zellen. Somit wird der Alterungsprozess der Zellen vermindert. Dies hilft den Gehirnzellen geistig auf der Höhe zu bleiben.

Mit Mineralstoffen wie Selen und Zink ist Artemisia annua ebenfalls gesegnet. Diese sind notwendig für ein stabiles Gleichgewicht des Immunsystems. Flavonoide, essenzielle und andere Fettsäuren haben eine herausragende Bedeutung gegen Entzündungen. Das gilt auch bei Beschwerden mit der Verdauung, Allergien und Asthma. Fettsäuren sind Nahrung für unser Gehirn, damit es seine maximale Kapazität auch ausschöpfen kann.

Hoffnung in der Krebstherapie

Es gilt sogar als neue Hoffnung in der Krebstherapie wie ein Artikel der Zeitschrift Natur & Heilen 8/2017 von Barbara Simonsohn berichtet.

Interessant ist die Entdeckung von Prof. Thomas Efferth, dass Artemisinin auch auf Krebszellen eine Wirkung hat. Das Wirkprinzip ist das Gleiche wie bei den Malariaparasiten. Dazu muss man wissen, dass Krebszellen viel Eisen brauchen, um sich verbreiten zu können. Durch ihre Rezeptoren ist es möglich viel Eisen zu binden und für ihre Zellteilung und DNS Reproduktion zu verbrauchen. Bringt man nun Artemisinin ein, werden Radikale aus Sauerstoff in den mit Eisen befüllten Krebszellen freigesetzt und die Zellen implodieren regelrecht.

Barbara Simonsohn

Frau Simonsohn beschreibt in ihrem o.g. Artikel dass Befunde von Krebszellkulturen nach ca. sechszehn Stunden fast völlig vernichtet waren. Auch Leukämiezellen starben bereits nach acht Stunden. Der Wirkstoff aus der Beifußpflanze wirkt jedoch nur auf Krebszellen zerstörerisch, gesunde Zellen greift er nicht an. Metastasenbildungen sollen nicht weiter voranschreiten und die Entstehung neuer Gefäße der Krebszellen gestört werden.

Dies gilt grundsätzlich für jede Krebsart. Mechanismen, welche Krebszellen wieder entstehen und vermehren lassen, blockiert der Wirkstoff. Nun soll das Beifußgewächs aber nicht als Wundermittel gegen Krebs angepriesen werden. Es gibt zwar sehr viele Hinweise und auch kleine Studien, die auf die Wirksamkeit bei Krebs hindeuten aber keine klinischen Studien. Labortests und die damit verbundenen Erfolge sind das eine, nur über klinische Langzeitstudien können die Entdeckungen abgesichert werden.

Der Haken ist, klinische Studien kosten Millionen von Euro, wer außer der Pharmaindustrie könnte das bezahlen?

So ist der Hinweis angebracht, dass es Forschungen gibt. Auch die Erfahrungsheilkunde arbeitet damit und sammelt Hinweise, aber in der Regel existiert keine zu 100% über klinische Studien abgesicherte Kenntnis. Es kann also noch dauern, bis sich klärt ob der Einjährige Beifuß die geweckten Hoffnungen in der Krebstherapie erfüllen kann.

Der Beifuß

Zur Studienlage:

Auf der website der US national library of medicine (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed) gibt es 51 Studien über Artemisia annua.

Memorial Sloan-Kettering Krebszentrum (www.mskcc.org/cancer-care/herb/artemisia-annua) attestiert dem einjährigen Beifuß deutliche krebshemmende Eigenschaften in vitro (im Labor).

Allgemein:
From ancient herb to versatile, modern drug: Artemisia annua and artemisinin for cancer therapy. Thomas Efferth, Johannes Gutenberg University, Institute of Pharmacy and Biochemistry, Department of Pharmaceutical Biology, Mainz, Elsevier 2017

Literaturempfehlung:

Barbara Simonsohn, Artemisia annua – Königin der Heilkräuter

Weitere Einsatzmöglichkeiten des Einjährigen Beifuß

Es gibt Hinweise, dass der Einjährige Beifuß auch gegen Viren wirken kann. Malaria Patienten, die Aids hatten, erfuhren nach der Behandlung mit Artemisinin auch in diesem Bereich eine deutliche Besserung.

Zu Themen antiviraler Eigenschaften:

www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16902856 und www.cid.oxfordjournals.org/content/47/6/804.full

In der neueren Diabetesforschung spielt Artemisia annua auch eine Rolle. Die österreichische Akademie für Wissenschaften, genauer das CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin, meldete im Jahr 2016 einen Durchbruch in der Diabetesforschung.

Seit Jahren auf der Suche nach künstlich herzustellenden Zellen, die die Insulinproduktion für die beim Diabetes Typ1 vom eigenen Körper zerstörten Beta-Zellen ersetzen könnten. Den hierfür benötigten Wirkstoff fand man im Artemisinin. Er kann Glukagon produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse in insulinproduzierende Zellen umwandeln.

Bis dato wurde dies in Tierversuchen nachgewiesen.

Der Forscher Stefan Kubicek :

„Natürlich muss man die Auswirkungen einer langfristigen Artemisinin-Verabreichung am Menschen noch gründlich und ausgiebig testen. Insbesondere ist bisher unbekannt, ob sich die Alpha-Zellen auch beim Menschen ständig regenerieren können. Außerdem müssen Wege gefunden werden, die neuen Beta-Zellen vor der Zerstörung durch das Immunsystem zu schützen. Doch wir sind sehr zuversichtlich, mit den Artemisininen und deren Wirkmechanismen die Grundlagen für eine neue Form der Therapie gegen Typ-1-Diabetes gefunden zu haben.“

Wie kann man Artemisia annua verwenden?

Den Einjährigen Beifuß gibt es in Kapseln, als Pulver oder als Tee. Sie können Artemisia als Unterstützung für ihr Immunsystem anwenden, egal ob vorbeugend oder bei Beschwerden. Das Pulver kann in Quark, Müsli oder Joghurt eingerührt werden. Es schmeckt ein wenig bitter, was die Verdauung aufgrund seiner wunderbaren gesunden Bitterstoffe anregt. Ein wenig Honig dazu kann nicht schaden. Experimentieren Sie mit kleinen Mengen, nicht jeder mag den bitteren Geschmack.

Artemisia auf Salbenbasis findet Anwendung bei Akne, Ekzemen, Hautpilzen, Herpes Simplex, Juckreiz durch Insektenstiche, Schuppenflechte, Rosacea im Gesicht, Hämorrhoiden, Pickel, Hautinfektionen, offene Wunden und auch bei Warzen.

Fazit:

Artemisia annua bietet eine Stärkung unseres Immunsystems.

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Nahrungsergänzungsmittel sollten nicht als Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung verwendet werden. Ausserhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.