Harnwegsinfekte

Wiederkehrende Harnwegsinfekte mit Pflanzen beruhigen?

Zwar nicht alle, aber doch die meisten Frauen leiden mindestens einmal in ihrem Leben an einer Harnwegsinfektion. Das hört sich jetzt nicht so schlimm an, aber wenn sich diese Infekte immer wieder zeigen und mehrere Male im Jahr vorkommen, sieht es schon ganz anders aus.

Warum haben Frauen oft wiederkehrende Harnwegsinfekte?

Unter anderem lässt sich diese Tatsache anatomisch begründen. Frauen haben eine eher kurze Harnröhre und auch der Weg vom Harnröhrenausgang zur Analregion, mit ihren vielen Bakterien, ist kurz.

Harnwegsinfekt

Wiederkehrende Harnwegsinfekte mit Pflanzen beruhigen

Tritt ein unkomplizierter Harnwegsinfekt auf, äußert er sich mit Brennen beim Wasserlassen, geringen Mengen an Harn und Ziehen bis zu Krämpfen im Unterbauch. Jede dritte bis fünfte Frau erleidet diesen Infekt einmal jährlich.

Unkompliziert wird ein Harnwegsinfekt dann genannt, wenn er keine Auswirkungen auf das Funktionieren der Blase oder Nieren hat und auch ansonsten keine ungünstigen Begleiterscheinungen auftreten.

Es gibt einige Umstände, die zu einer Entzündung führen können. Dazu gehören häufiger Geschlechtsverkehr und eine gereizte Schleimhaut, die als Nährboden für Keime dient. Hinzu kommt eine Veränderung im Hormonhaushalt, die die Schleimhäute und Harnröhre dünner und empfindlicher machen und damit ebenfalls Keime zur Vermehrung einladen kann.

Ist Kälte ein Grund für die Entzündung?

Besonders im Winter kommt noch die Auskühlung im Intimbereich hinzu. Die Kälte veranlasst die Blutgefäße sich zusammenzuziehen. Die Durchblutung in den Schleimhäuten der Blase lässt nach. Die Abwehrzellen sind so beeinträchtigt und lassen eine Vermehrung von eigentlich harmlosen Bakterien zu, die aber in der Menge eine Entzündung hervorrufen können.

Die Ursache einer Entzündung wird in dreiviertel der Fälle durch den Keim Escherichia coli hervorgerufen. In Fachkreisen irritierte die Tatsache, dass bei vielen Frauen diese Infekte immer wieder auftraten, obwohl sich ihr Verhalten an die Vorgaben zur Vermeidung angepasst hat.

Also beispielsweise setzen sie sich nicht auf kalte Steine oder zogen nach dem Baden die nassen Sachen aus. Das Waschen im Intimbereich von vorne nach hinten wurde berücksichtigt und auch genug Wasser getrunken. Es lag bei den meisten Betroffenen nicht am Verhalten.

Escherichia coli, was genau macht es?

Durch die Nähe der Scheide und Harnröhre zum Darmausgang haben die Bakterien es leicht dorthin vorzudringen, wo man sie nicht haben möchte – in die Harnblase. Dort breiten sie sich aus und die Schleimhaut der Blase reagiert darauf mit einer Entzündung.

Aufgrund seiner Struktur und seines Verhaltens kann der Keim E. Coli besonders leicht eine Infektion auslösen.

Er verfügt über lange, dünne, fingerartige Tentakeln an deren Spitze sich eine klebrige Masse befindet, ein Klebeeiweiß. Dessen Aufgabe ist es, sich an die zuckerhaltigen Reste der Blasenzellen zu heften.

  1. coli verfügt über sechs verschiedene klebeartige Eiweise.

Damit ist es perfekt ausgestattet um in die Blasenzellen einzudringen und sich dort explosionsartig zu vermehren. Die Bakterien entwickeln einen Biofilm der eine Entdeckung durch das Immunsystem verhindert. Damit schaffen sie es sogar sich vor einer Antibiotika-Therapie zu schützen. Sobald das Immunsystem schwächelt, beispielsweise durch Kälte, erwachen sie und greifen erneut an. Die Betroffenen leiden an einem weiteren Harnwegsinfekt.

Was also kann man tun?

Wie wir erfahren haben, kann eine Antibiotika-Therapie in dem Fall nicht helfen. Dies ist vielleicht das Mittel der Wahl bei anderen Bakterien. Urologen gehen immer mehr dazu über erstmal eine Bakterienkultur anzulegen und über 24 Stunden zu beobachten. Falls Antibiotika sinnvoll sind, kann man genau bestimmen, welche man einsetzen sollte. Möglicherweise wird aber gar keines verschrieben, denn über die potentiell entstehenden Resistenzen weiß man inzwischen Bescheid. In dem Fall ist viel Trinken die Devise und die Verabreichung von Präparaten mit pflanzlichen Extrakten.

Bei ständig wiederkehrenden Infekten wird auch eine Ultraschalluntersuchung der Blase und der Niere veranlasst, um Nierensteine auszuschließen. Auch eine Harnblasenspiegelung könnte in Frage kommen, um eine Harnröhrenverengung oder einen Blasenstein feststellen zu können.

Bei einer unkomplizierten Harnwegsinfektion wird man auch über Alternativen nachdenken. Antibiotika haben den Nachteil die Darmflora stark zu beeinträchtigen und auch die Keime abzutöten, die eigentlich gebraucht werden. Eine neue Leitlinie empfiehlt den Ärzten Phytopharmaka mit in die Behandlung einzubeziehen.

Können Pflanzen helfen?

Es gibt verschiedenen Pflanzen, die für eine Behandlung in Frage kommen. Dazu gehören Extrakte aus Ackerschachtelhalm, Bärentraube, Brennnessel, Goldrute, Hauhechel, Katzenbart, Liebstöckel und Petersilie. Es erscheint sinnvoll Pflanzen zu kombinieren, die den Schmerz lindern, Krämpfe lösen, die stark sind gegen Entzündungen und Bakterien und dabei noch eine ausscheidende Wirkung unterstützen.

Goldrute (Solidago virgaurea) ist schon seit Jahrhunderten bekannt und wird in der Naturheilkunde eingesetzt. Sie wirkt antibakteriell, lindert die Schmerzen, löst Krämpfe und scheidet Bakterien und Pilze aus. Sie verhilft dem Immunsystem zu mehr Abwehrkraft.

Auch der indische Katzenbart (Orthosiphonblätter) wirkt krampflösend, bindet und befördert schädliche Substanzen hinaus und hat eine Wirkung gegen Pilze. Was den Katzenbart besonders interessant macht, ist seine Fähigkeit Rezidive zu verhindern. Er schafft es, dass sich die klebrigen Fäden des E. coli nicht in die Blasenzellen begeben können.

Er verhindert damit die Ausbreitung und Eingrabung der Keime. Allerdings reicht ein Katzenbartblättertee nicht aus, um ein Wiederaufflammen der Entzündung zu verhindern. Besser wäre ein Extrakt aus Orthosiphonblättern oder einem Komplexmittel, in dem sie enthalten sind.

Die Kommission E empfiehlt auch Meerrettich, weißes Sandelholz und Sonnenhut im Rahmen einer zusätzlichen Therapie von Harnwegsinfekten.

Gardnerella vaginalis

Ein weiteres Bakterium ist an der Entstehung von Rezidiven beteiligt. Seit es Methoden gibt Bakterien gentechnisch zu untersuchen, wurde die Beteiligung von Gardnerella vaginalis an der Entstehung von Rezidiven entdeckt. Ein Urintest macht es möglich dieses Bakterium und auch die Verstecke des E. coli in den Zellen nachzuweisen. Viele Frauen haben dieses Bakterium, das durch Geschlechtsverkehr in die Blase aufsteigen und die äußeren Blasenzellen angreifen kann. Dadurch werden die E. Coli  Bakterien aktiviert und setzen der Blase erneut zu.

Wer immer wieder Harnwegsinfekte bekommt, sollte sich auf Gardnerella vaginalis untersuchen lassen. Sind diese Bakterien vorhanden, kann man sie mit Vaginalzäpfchen entfernen. Diese werden mit ätherischen Ölen wie Niaouli, Lemongras, Grapefruitkernextrakt und Rosengeranie versehen. Als Basis wird Kakaobutter verwendet. Diese Zäpfchen werden auf Wunsch in der Apotheke hergestellt.

Worauf man noch achten sollte

In Bärentraubenblätter ist Arbutins enthalten. Die Dauer der Anwendung sollte unbedingt mit dem Arzt abgeklärt werden. Eine Gabe länger als fünf Tage wird meist nicht empfohlen, denn Magen- und Darmschmerzen, sowie eine schwach mutagene Wirkung (nach längerer Einnahme) könnten damit verbunden sein.

Auch Meerrettich verträgt nicht jeder gut, genauso wenig wie Kapuzinerkresse. Dies hängt mit den keimtötenden und desinfizierenden Senfölen zusammen, die auf den Magen- und Darmtrakt durchschlagen können.

Wer vorbeugend etwas für die Blasengesundheit tun möchte, kann dies mit Cranberrys versuchen. Sie enthalten Anthocyanidine und Proanthocyanidine und sollen verhindern können, dass sich Bakterien an die Blasenwand heften.

Ebenso vorbeugend aber auch zur Behandlung einer Infektion kann man D-Mannose einsetzen. Es handelt sich um einen Einfachzucker, der keine Insulin-Ausschüttung provoziert. D-Mannose bleibt im Blut und über den Weg der Niere wandert sie auch in die Blase. Interessant ist nun, dass sich Bakterien lieber dort anbinden, als an die Blasenwand oder der Harnröhre. Damit verhindert sie die Festsetzung der Bakterien in den Schleimhäuten.  

D-Mannose und die daran haftenden Bakterien werden dann praktischerweise mit dem Urin ausgeschieden. Den Einfachzucker kann man in der Apotheke kaufen oder im Onlinehandel als Kombi-Präparat mit Cranberry-Extrakt, Zink und Biotin.

 

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Nahrungsergänzungsmittel sollten nicht als Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung verwendet werden. Ausserhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.